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Elisabeth Motschmann über ihre Zukunft als CDU-Spitzenkandidatin
"Ich bin froh, dass ich mich verändert habe"
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird Elisabeth Motschmann heute von den Delegierten des Landesparteitags zur CDU-Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl im Mai gewählt. Silke Hellwig sprach mit ihr über die Kandidatur.

Frau Motschmann, man muss damit rechnen, dass es Bremer gibt, die nicht so genau wissen, wer Sie sind. Deshalb, ganz platt: Wer sind Sie?

Elisabeth Motschmann: Zuallererst bin ich ein Familienmensch mit drei Kindern und sechs Enkeln und eine überzeugte Bremerin. Ich bin außerdem Politikerin mit Haut und Haar. Mir reicht es nicht, als Zuschauerin Politik zu kritisieren, ich will mitmischen. Ich bin verlässlich, mir sind christliche Werte wichtig, und ich setze mich seit Beginn meiner politischen Arbeit, seit 1976, für die Interessen von Frauen ein.

In den 80er-Jahren haben Sie sich als Moraltheologin einen Namen gemacht. In Talkshows wurden Sie gerne eingeladen, um in Rüschenbluse als Erzkonservative für Kontroversen zu sorgen. Wie stehen Sie heute dazu?

Ich bin in sehr kontroversen Talkshows zu Gast gewesen, aber nicht als Erzkonservative. Ich habe vielmehr eine Meinung vertreten, die nicht etwa exotisch war, sondern die viele Mitbürger geteilt haben. Es war mir wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, dass konservative Werte in der Bevölkerung gar nicht mehr vorhanden sind.

Ihre Positionen zu den Themen Homosexualität, Abtreibung und tradiertem Rollenverständnis klangen teilweise schon stockkonservativ. Manches haben Sie inzwischen korrigiert, zum Beispiel Ihre Haltung gegenüber Homosexuellen.

Das stimmt. Ich glaube, dass es ein ganz normaler Vorgang ist, wenn man im Laufe von so vielen Jahren, die ich nun politisch aktiv bin, seine Positionen immer wieder überprüft und überdenkt. Ich würde das im Übrigen auch jedem empfehlen, der nicht in der Politik tätig ist.

Sie sind toleranter geworden . . .

Ich bin froh, dass ich mich im Laufe der Zeit verändert habe. Das habe ich übrigens auch meinen Kindern zu verdanken, mit denen ich oft und gerne über solche Themen diskutiere.

Sie engagieren sich aber beispielsweise weiterhin für die Stiftung „Ja zum Leben“, die strikt gegen Abtreibungen ist.

Mir tut es um jedes Kind leid, das nicht auf die Welt kommen kann. Ich engagiere mich im Kuratorium der Stiftung, das sich damit befasst, Hilfsprojekte für Kinder und Familien zu unterstützen. In der Stiftung ist es wie in einer Partei: Man hat eine gemeinsame Basis, ist aber nicht in allen Punkten einer Meinung.

Vor fünf Jahren haben Sie noch einmal Ihrem Ruf als Konservative alle Ehre und bundesweit Schlagzeilen gemacht – Sie sind gegen das Engagement von Charlotte Roche bei der Radio-Bremen-Talkshow „3 nach 9“ auf die Barrikaden gegangen. War das eine Art Rückfall?

Dazu stehe ich. Ich hätte nicht gedacht, dass das Thema einen solchen Wirbel auslöst, aber ich denke bis heute, dass es eine falsche Entscheidung war, Charlotte Roche zu verpflichten. Das hat sich ja auch schon nach wenigen Auftritten gezeigt, als sie die Sendung wieder verlassen hat.

Gibt es etwas, das Sie, im Nachhinein betrachtet, gerne korrigieren würden?

Mir tut es leid, dass ich in harten politischen Auseinandersetzungen vermutlich Menschen Unrecht getan oder sie verletzt habe. Mir ist es früher schwerer gefallen, die Positionen anderer zu akzeptieren und zu respektieren, wenn ich sie nicht überzeugen konnte. Inzwischen denke ich, dass selbst Politik mit Herzblut es nicht wert ist, Menschen zu brüskieren.

Zur Kandidatur: Schmerzt es Sie, dass Sie – nach Jens Eckhoff, Jörg Kastendiek und Thomas vom Bruch, die vor Ihnen im Gespräch waren – quasi vierte Wahl sind?

Nein, überhaupt nicht. Mir ist wichtig, dass alle drei Kreisverbände hinter mir stehen. Ich hätte mich auch gefreut, wenn einer der drei Spitzenkandidat geworden wäre.

Auch über Ihr Mandat in Berlin haben Sie sich gefreut. Sie werden es wohl aufgeben müssen, damit es Ihnen nicht wie Norbert Röttgen ergeht. Er wurde abgestraft, weil er vor der Landtagswahl angekündigt hatte, nur für den Posten als Ministerpräsident zur Verfügung zu stehen.

Ich arbeite wirklich gerne als Bundestagsabgeordnete, aber ich stehe für herausgehobene Positionen in Bremen zur Verfügung. Das habe ich seit der Nominierung auch klar gesagt.

Auch in einer Oppositionsfraktion? Man erwartet von einer Spitzenkandidatin, dass sie Forderungen weiterverfolgt, die sie im Wahlkampf aufgestellt hat.

Am liebsten wäre mir eine Position im Senat, ganz klar. Schließlich will ich gemeinsam mit der Bremer CDU wieder Regierungsverantwortung übernehmen.

Auch in einem schwarz-grünen Senat?

Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Konstellation ist nicht sonderlich groß. Unabhängig davon: Bremen hat es gut getan, als die CDU in der großen Koalition mitregiert hat.

Sie würden aber auch als Fraktionschefin oder Stellvertreterin nach Bremen zurückkehren?

Grundsätzlich stehe ich für Bremen zur Verfügung.

Sie haben als Ziel formuliert, die Grünen abzuhängen, mit der CDU wieder die zweitstärkste Kraft in Bremen zu werden und der AfD keine Chance zu geben. Klingt nach der Quadratur des Kreises.

Wir sind eine Volkspartei, ich bin nicht alleine, sondern wir sind ein gutes Team. Die CDU soll mitregieren, das ist unser Ziel, mit unterschiedlichen Christdemokraten mit unterschiedlichen Positionen.

Gerade war zu lesen, dass Sie gegen die Gleichstellung von Homosexuellen im Adoptionsrecht sind. Damit werden Sie nicht viele Grünen-Wähler begeistern können.

Das ist für mich auch kein Wahlkampfthema. Es gibt in Bremen ja für jedermann ersichtlich genug Probleme. Meine Themen sind die Wirtschafts-, die Innen-, die Finanz-, die Sozial- und die Bildungspolitik.

In welchem Punkt fühlen Sie sich eigentlich in der öffentlichen Meinung missverstanden?

Ich bin unglaublich fröhlich, bodenständig und gehe gerne auf Menschen zu – das lässt das Bild, das von mir gezeichnet wird, häufig aus. Mich ärgert es auch, dass man mir beispielsweise weniger wirtschaftspolitische Kompetenz zutraut, nur weil ich mich öffentlich zu diesen Themen weniger geäußert habe. Tatsächlich begleite ich diese Themen schon von Beginn an in Partei, Senat und Fraktion.

Zur Person: Elisabeth Motschmann (62) ist seit 1976 CDU-Mitglied. Sie hat Theologie, Romanistik und Pädagogik studiert. 1987 kam sie nach Bremen. Sie ist Vize-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete; sie war Vize-Vorsitzende der Bürgerschaftsfraktion (1991-1999) und Kultur-Staatsrätin (1999 -2007).

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